Ende Juni veröffentlichte der digitale Nachrichtendienst T3N eine Meldung über die Vorlieben der deutschen Onlineshopper: kostenloser Versand und Rückversand werden erwartet. Ganz selbstverständlich.

Da hat sich eine ganze Branche die Billigdenke der Deutschen herangezüchtet. Die Post, Hermes und die anderen großen Versanddienstleister lassen mittlerweile Pakete für Amazon, Zalando und Co. für unter 2 Euro pro Stück durch Deutschland schleppen. Des einen Einsparung ist des andern Ausbeutung, in diesem Fall der Verdienstausfall der Kurierfahrer, die unter prekären Bedingungen Auslieferfahrten mit permanent steigendem Paketaufkommen stemmen müssen. Eine Folge davon ist der steigende Unmut über den DHL-Kurier, der anstatt zu klingeln lieber gleich den Zettel einwirft: „Sie wurden nicht angetroffen“. So können an einem Haus mal schnell alle Pakete bei einem einzigen Nachbarn abgegeben werden, und die Tour wird flotter erledigt. Der Kunde wird selbst zum Paketausgabeschalter für die Nachbarn. Die Kostenspirale dreht sich also vom eingesparten Paketshop über den kaputtgesparten Fahrer hin zu automatisierten Lagerarbeiten bis zu einem Paket, das seinen eigenen Transportpreis eigentlich gar nicht einspielt. Am Ende dieser Spirale sitzt eine große Exceltabellenspinne, die den Gewinn einstreicht, den alle davor Arbeitenden erwirtschaftet haben. Und selbst dieser Gewinn ist noch zu gering. Deshalb werden demnächst die Transportpreise für Briefe und Pakete erhöht. Jeder, der schonmal Monopoly gespielt hat, weiß, wie Kapitalismus endet.

Wer also hat etwas davon?

Die Zalandokundin, die sich lieber zehn Paar Schuhe bestellt, um dann neun zurückzuschicken, die Verpackungen aufgerissen, die Schuhe achtlos in den Karton gepfeffert … irgendein unterbezahlter Zalando-Mitarbeiter wird das schon richten. So scheint es zunächst. Alles scheint auf den Vorteil der Käufer ausgerichtet: niedrige Hemmschwelle für die Bestellung, großes Servicelevel durch kulante Rücknahme und dann noch das Porto „umsonst“.

Dabei weiß doch jeder kaufmännisch Vorbelastete, daß nichts umsonst ist. Die Portokosten sind natürlich in die Produktkalkulation aufgenommen und werden stillschweigend mitbezahlt. Auch die Portoerhöhung wird dann mitbezahlt. Am Ende wird sich niemand von einem Paar Schuhe verschrecken lassen, das dann 0,50 mehr kostet. Es steht aber zu hoffen, daß die Logistikarbeiter künftig einen etwas größeren Anteil von dem Kuchen abbekommen, um unter anderem auch für faire Löhne zu sorgen. Dieser kapitalistisch orientierte Ansatz, unter Ausbeutung aller Ressourcen das kleinste Restchen an Gewinn überall herauszupressen, muss sich ändern. Wir müssen eine Art des Wirtschaftens finden, die den Menschen eine befriedigende und würdige Möglichkeit der Beschäftigung bietet. Und von der sie auch leben können. Jeder Einzelne der Wirtschaftsteilnehmer ist hier gefordert. Es beginnt bei Dir selbst: in dem Moment, in dem Du ein Angebot einholst, und nicht nur auf den Preis achtest, sondern auch auf die Leistung. Lasst uns gemeinsam einen Schritt nach vorn machen und für eine gerechte Zukunft sorgen.