Klimawandel, Globalisierung, persönliche Verantwortung … Unsicherheit macht sich breit: müssen wir demnächst alle auf unser gutes Leben verzichten? Weil sonst die Welt untergeht?

Am 20. September finden zeitgleich an vielen Orten auf dem Planeten Protestaktionen statt, mit denen aufgewühlte Bürger ihren Regierungen klarmachen wollen, daß die Zeit des Schwafelns vorbei ist. 27 Jahre nach der Verabschiedung der UN Klimarahmenkonvention, mit der einer irreversiblen Störung des Klimasystems auf der Erde begegnet werden sollte, ist immer noch nichts Grundlegendes geschehen, außer -zig Klimakonferenzen, die in Geschwafel endeten, aber keine verwertbaren Ergebnisse lieferten. Das ist für viele Menschen ein Grund, auf die Straße zu gehen, um ihren Befürchtungen Ausdruck zu verleihen. Da ist auch viel Panik darunter, aber Angst ist eben auch ein guter Motivator. Ohne diese Angst würde immer noch nichts geschehen. Nun bewegt sich auch die Politik. Hoffentlich!

Eigentlich wollten wir uns an diesem globalen Streik beteiligen. Nicht aus Angst, sondern um die Bewegung zu unterstützen, die für eine sinnvolle Veränderung der Politik eintritt. Aber als Logistiker ist das nicht ohne weiteres möglich: ein Streik unsererseits hätte zur Folge, daß die Waren unserer Kunden und Auftraggeber, also Eure Waren, für diesen Tag liegenblieben. Mit unvorhersehbaren Folgen für die Kundenkommunikation und natürlich auch für die Umsatzprognosen. Das werden wir natürlich nicht machen!

Aber was können wir denn dann tun? Untätig bleiben ist doch keine Option.

persönliche und politische Verantwortung

Nun, „die Welt“ geht nicht unter. Es gehen die Grundlagen zur Neige, die es den Menschen ermöglichen, den bisherigen Lebensstil von Verbrauch und Verschwendung weiter fortzuführen. Die Doktrin des fortwährenden Konsums, des Immer-Mehr wird über kurz oder lang ersetzt werden müssen durch einen partizipativen, kommunikativen Entwurf des Zusammenlebens mit nicht nur den anderen Menschen in anderen Kontinenten, sondern auch mit den anderen Wesen, die sich auf dem Planeten tummeln. Es stehen einschneidende Veränderungen bevor. Darauf warten wir doch schon seit den Siebzigern, seit der Club of Rome die Grenzen des Wachstums beschrieb. Es scheint, wir haben diese Grenzen jetzt, knapp 50 Jahre später, endlich erreicht. Hier ein passendes Interview mit dem Physiker Harald Lesch, der es versteht, mit klaren und verständlichen Worten ohne Beschönigung das Thema zu betrachten.

Dennoch ist jeder Einzelne gefordert. Die FDP bspw. hat Angst vor Verzicht. Klingt irgendwie nach Zwang, nach Freiheitsberaubung. Sie stellt alle Lösungsansätze als „planwirtschaftlich“ in die gute alte Schmuddelecke des Kommunismus. Die Frage ist aber, wessen Freiheit hier auf dem Spiel steht: die Freiheit der aktuellen gesellschaftlichen Akteure (Unternehmer, Politiker, Industrielle und Bürger) alles zu verbrauchen, was der Planet zu bieten hat? Die Freiheit Land, Luft und See zu verschmutzen, und den kommenden Generationen alles zu nehmen? Das ist keine Freiheit, DAS ist Zwang und Unterdrückung. Es sind zwar nur künftige Generationen, aber dennoch werden sie schon jetzt unterdrückt.

An ebenjenem 20. September wird auch die Bundesregierung über Klimaziele erneut beraten. Zur Disposition stehen CO2-Steuer/ -Abgabe gegen Emissionshandel. Diesen gibt es übrigens schon seit 1995, nur nicht umfassend für alle: wesentliche Industriezweige bleiben weiterhin ausgenommen, was das Ganze zur Farce verkommen lässt. Laut Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung ist auch eine Kombination beider Maßnahmen zweckmäßig. Entscheidend ist, daß dem Gelaber endlich Taten folgen …